Laub muss nicht lästig sein

Am vergangenen Wochenende kamen sie wieder in Scharen: Stare. Vor ihrem Abflug gen Süden haben sie sich mit den Beeren unseres Wilden Weins so richtig die Bäuche vollgeschlagen. Wenn der große Schwarm angerauscht kam, hörte es sich an wie eine starke Windböe. Ihr Flattern mit den Flügeln fegte die letzten Blätter herunter, und von den Beeren haben sie auch nicht viele übrig gelassen. Zeitweise war es eine Stimmung wie in dem Hitchcock-Film „Die Vögel“. Sie saßen auf den Weinranken, zankten sich um die Beeren, oder warteten auf dem Dach des Nachbarhauses, bis ein günstiger Platz im Wein frei wurde.

Unser Wilder Wein an der Südseite des Hauses ist das ganze Jahr über nützlich: Im Frühling und Sommer schirmt das Laub die Fassade vor der Sonne und der Hitze ab, im Spätsommer und Herbst freuen sich die Vögel über die Beeren, und im Winter lassen die dann laublosen Ranken die wärmende Sonne ungehindert auf die Wand strahlen. Außerdem sieht das glühende Rot der Blätter im Herbst einfach umwerfernd aus.

Aber wohin mit dem ganzen Laub, wenn es abgefallen ist?

Ganz einfach: Mit dem Rechen frisch ans Werk, alles zusammen gerecht und dann auf die Beete im Garten verteilt. Naturlich nur die Blätter, nicht den Kehricht. Letzterer ist schwerer als das raschelnde Laub, so dass es recht einfach ist, beides voneinander getrennt in Eimer zu packen und weg zu tragen. Im Garten sah es dann später so aus:

Das Laub auf dem Schattenbeet schützt die frisch eingesetze Hosta und den Rest der Stauden, die ich größtenteils oberirdisch schon abgeschnitten habe (wegen Mehltau).

Ein Überblick über das Schattenbeet, dessen Boden vollständig mit Laub bedackt ist.

Die wärmende Decke aus Laub hat den Vorteil, dass der Frost nicht so schnell in die Erde eindringen kann. Außerdem bietet sie eine Nahrungsquelle: Insekten und Würmer verkriechen sich im Laub, Vögel holen sich diese Leckerbissen. Und Kleinstlebewesen in der Erde zersetzen die Blätter im Lauf der Zeit, so dass daraus wertvoller Dünger entsteht. Dafür muss man das Laub allerdings auch nach dem Winter noch einige Zeit liegen lassen.

Auf den anderen Beeten im Garten habe ich in den vergangenen Tagen richtig gewütet. Normalerweise räume ich den Garten vor dem Winter nicht auf, sondern achte nur darauf, die Rosen rechtzeitig anzuhäufeln und empfindliche Pflanzen mit Vlies abzudecken oder zu umwickeln. Diesmal wollte ich aber dem Efeu zwischen Holunder und Kompost Einhalt gebieten, die auseinander fallende Deutzie stutzen und vor allem endlich mal die Ackerwinde und den  Giersch an der östlichen Grundstücksgrenze ausgraben. Das habe ich auch alles geschafft. Allerdings habe ich dafür fast vier Tage gebraucht, und meine Hände schmerzen noch immer.

Besonders die Wurzelunkräuter mussten ziemlich tief aus der Erde geholt werden. Das ging ganz gut, weil der Boden immer noch knochentrocken und dadurch krümelig war. Mit der Grabegabel habe ich stückweise die Erde gelockert und habe dann mit den Händen die Wurzeln aus dem Boden gezogen. Wie man genau vorgeht, hat Stefan vom Blog Parzelle 94 gut beschrieben: https://www.parzelle94.de/2017/04/giersch-vernichten-und-entfernen-funktioniert/ 

Dabei musste ich auch Stauden ausgraben und deren Wurzeln vom Giersch und von der Ackerwinde befreien. Diejenigen, bei denen mir das nicht 100-prozentig gelungen ist, habe ich schweren Herzens weggeworfen. Aber alles, was danach wieder okay war, habe ich wieder eingepflanzt. Eine große Hosta und eine ältere Lenzrose habe ich bei der Gelegenheit gleich geteilt und die Teile an anderen Stellen neu gesetzt. Vom Liebstöckel behielt ich nur wenig übrig, habe dies aber an der alten Stelle wieder eingepflanzt. Dort ist auch noch ein Rest der alten tiefen Wurzel, die ich nicht herausziehen konnte.

An der östlichen Grundstücksgrenze ist nun wieder viel Licht und Luft. weil ich den Efeu stark beschnitten und teils ausgegraben sowie die rechts stehende Deutzie gestutzt habe. Neu gepflanzt habe ich dort Farne, kriechenden Günsel und Lenzrosen. Die Beetbegrenzung mit den Steinen ist auch neu.

Abgedeckt habe ich einen Großteil der Beete mit dem Häckselgut von der Deutzie und dem gehäckselten Schnittgut von Schattenmorelle, Apfel, Mirabelle und rotem Hartriegel.

 

Doch das Häckselgut reichte nicht für die ganze Fläche, so dass auch Laub vom Wein und der Mirabelle zum Einsatz kam:

Bevor ich dieses Beet mit Laub abgedeckt habe, hatte ich die Wurzelunkräuter ausgegraben und viele Zwiebeln neu gesteckt. Außerdem steht jetzt zwischen Clematis (rechts) und Hartriegel (Mitte) eine Hortensie, die ich jahrelang im Kübel stehen hatte. Einen neuen Standort  haben dort die Bergenien, die bislang unter dem Holunder im wahrsten Wortsinn ein Schattendasein erleiden mussten…

Nun hoffe ich, dass alle neu gesetzten Pflanzen noch vor dem Einzug des Winters anwachsen und mich im nächsten Frühling wieder erfreuen.

Bis bald und tschüß!

Christina

2 Gedanken zu „Laub muss nicht lästig sein

  1. Regula

    Giersch kann man essen, zum Beispiel wie Spinat oder als Suppe oder im Salat. Seit ich den Giersch als Gemüse sehe, verzweifle ich nicht, weil er so wuchert. Liebe Grüsse von Regula

    Antwort
  2. tibor42 Autor

    Diese Taktik habe ich einige Jahre lang auch verfolgt. Leider mit dem Ergebnis, dass der Giersch die anderen Stauden förmlich überrannt hat. Irgendwann hatte ich die Nase voll und versuche nun, ihn auszuhungern. Jetzt wächst er gerade nur noch an zwei Ecken in einem Beet und im Rasen. Aber da wird er ja regelmäßig abgemäht. Und im Sommer ist er auch nicht mehr so lecker wie jetzt im Frühjahr, finde ich. Liebe Grüße und schöne Ostern von Christina

    Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.