Wilde Küche

Wir waren Wildfrüchte sammeln oder, wie mein Mann sagt, auf „Beerenjagd“. Bei uns in der Nähe gibt es eine sehr alte, ehemalige Bundesstraße, auf der heute nur noch landwirtschaftliche Fahrzeuge unterwegs sind, wenn überhaupt. Oder eben Leute wie wir, die im Herbst sammeln, was sich in der Küche verwerten lässt. Zwei Stunden lang waren wir unterwegs.

Gefunden haben wir jede Menge Hagebutten und Hokunderbeeren. Und zum ersten Mal haben wir auch Ebereschenbeeren, auch bekannt als Vogelbeeren, mitgenommen.

Verarbeitet habe ich bereits den Holunder, und zwar zu Saft. Das mache ich auf alt hergebrachte Weise, weil ich ja keine Massen verarbeite, wie es noch in meiner Kindheit die Mutter und die Oma machten. Nein, mir reicht ein Vorrat von rund zwei Litern, damit ich für den Fall einer dicken Erkältung eine Vitaminbombe im Hause habe. Ich habe die Beeren mit wenig Wasser in einem Topf gekocht, bis sie geplatzt sind. Den Saft habe ich dann über ein in einen Durchschlag gelegtes Tuch ablaufen lassen, eine Nacht lang. Am anderen Tag habe ich den gefilterten Saft mit Zucker aufgekocht und heiß in Flaschen mit Twist-off-Deckeln gefüllt.

Beim Pflücken ist ein dicker Handschuh nützlich, um die stacheligen Zweige festzuhalten.

Beim Pflücken ist ein dicker Handschuh nützlich, um die stacheligen Zweige festzuhalten.

Auch die Hagebutten sind inzwischen zu Marmelade verarbeitet. Immerhin neun Gläser sind aus 1,8 Kilogramm Hagebuttenmus plus der gleichen Menge Zucker entstanden. Zum ersten Mal haben wir dabei ein Gerät benutzt, das uralt ist und bei uns schon lange als Deko auf der Terrasse lag, weil ich es nicht kannte und nicht einzusetzen wusste. Aber das Stichwort Beerenpresse in einem alten Buch mit Einmach-Rezepten brachte mich auf die Idee, mal nach Bildern im Netz zu suchen. Und siehe da: Genau so ein Gerät besitze ich schon. Also nahm mein Mann es erst einmal auseinander und säuberte es gründlich vom Dreck der letzten Jahre.

Der Vorteil an dem Gerät ist, dass man die Hagebutten nicht mühsam von Blüten, Stängeln und Kernen befreien muss. Man kann sie einfach so durchdrehen. Zuvor sollte man sie allerdings doch wie üblich ein bis eineinhalb Tage lang bei Zimmertemperatur in Wasser einweichen und dann in dem Einweichwasser kochen, bis sie richtig weich sind.

Danach kommt die Presse zum Einsatz. Unsere heißt bezeichnenderweise „tutti frutti“ und wurde wohl um 1930 hergestellt. Es gibt Beerenpressen, die nach diesem Prinzip arbeiten, noch heute, und sie sind gar nicht mal so teuer. Die alten werden als Antiquitäten dagegen zu ziemlichen Mondpreisen gehandelt.

Also, das Ganze funktioniert so: Die Presse wird an der Tischkante festgeschraubt und hat oben einen Einfülltrichter, in den die Hagebutten (oder auch andere weichgekochte Beeren) gefüllt werden.

Per Handkurbel werden die Hagebutten in den Trichter gedrückt.

Per Handkurbel werden die Hagebutten in den Trichter gedrückt.

Mittels einer konisch zulaufenden Schnecke und Handkurbel wird die Masse nach unten in einen Trichter gepresst, in dem ein konisch zulaufendes Sieb sitzt. Durch die Löcher werden Saft und feine Fruchmasse gedrückt. Dieses läuft in eine Auffangrille mit Ablauf. Unter diesen Ablauf stellt man einen Topf oder eine Schüssel, um das Fruchtmus aufzufangen. Ganz unten an der Spitze des Trichters ist dann eine weitere Öffnung, aus der die „Trockenmasse“ (Kerne, Haut, Stiele, Blüten) herauskommt.

Unten kommt der Abfall heraus, an der Seite das Fruchtmus.

Unten kommt der Abfall heraus, an der Seite das Fruchtmus.

Unter diese Öffnung stellt man einen Eimer, die Masse kann dann auf den Kompost oder in den Müll (die Hagebuttenkerne usw. habe ich lieber in die Mülltonne gegeben, weil ich nicht sicher war, ob die Kerne noch keimfähig sind und mir vielleicht dann den ganzen Garten mit Wildrosen zuwuchern).

Kerne; Beerenhaut, Stiele und Blüten werden abgeschieden.

Kerne; Beerenhaut, Stiele und Blüten werden abgeschieden.

Mittels einer Stellschraube (auf dem Foto unten links dreht mein Mann gerade dran) an dem Trichter kann man einstellen, wie fein der Fruchtmus werden soll. Je feiner, desto schwerer geht das Kurbeln.

Das Fruchtmus haben wir in dem Topf aufgefangen, in dem später gleich die Marmelade gekocht wird.

Das Fruchtmus haben wir in dem Topf aufgefangen, in dem später gleich die Marmelade gekocht wird.

Weil das Fruchtmus ziemlich zäh war, obwohl ich beim Weichkochen der Hagebutten recht viel Wasser benutzt hatte (auf 1,6 Kilogramm Früchte 1,6 Liter Wasser), habe ich nach dem Pressen das Mus nochmals mit abgekochtem Wasser verdünnt, bis es mir von der Konsistenz her dünn genug erschien. Schließlich hatte ich 1,8 Kilogramm Mus, in das ich dieselbe Menge an Zucker (normaler, kein Gelierzucker) gegeben habe. Alles gut verrührt und fünf Minuten lang sprudelnd aufgekocht. Die heiße Masse in Gläser füllen und diese sofort verschließen. Fertig. Fehlen nur noch die Klebeschilder, damit auch meine Kinder das richtige Glas holen, wenn ich sie mal in den Keller schicke, Marmelade holen…

Und was ich aus den Ebereschenbeeren mache, weiß ich auch schon. Aber die stehen bislang noch im Kühlschrank.

Ciao

Christina

 

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5 Gedanken zu „Wilde Küche

  1. birthesgartenzeiten

    Ich beneide Dich um Deine alte Presse, mit der du die Hagebutten verarbeitest. Ich habe die Früchte mühsam von Hand entkernt, enthaart und dann getrocknet.Marmelade mache ich auf diese Art nie ;-), die Marmelade wäre unbezahlbar ;-). Funktioniert das mit „modernen“ Pressen auch so gut ? LG Birthe

    Antwort

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