Grüne Hölle II

Vor einigen Wochen waren wir ja im Wendland, um einen verwilderten Garten, der Verwandten von uns gehört, vom Brombeergestrüpp und anderem wilden Grünzeug zu befreien, um unter anderem den dort stehenden Obstbäumen und einem sehr alten Walnussbaum wieder Luft zu verschaffen.

Heute will ich mal erzählen, was wir in der einen Woche gemacht haben, die wir dafür im ersten Schritt Zeit hatten:

Begonnen haben wir im hinteren, am weitesten vom Haus entfernten Teil des Gartens. Dort hatte die Gartenbesitzerin vor rund 15 Jahren eigentlich einen lebenden Weidenzaun anlegen wollen. Sie steckte damals Weidenzweige in die Erde, die auch alle anwuchsen. Einige Wochen später begann ihre berufliche Karriere, die sie zeitweise 12 Stunden und mehr am Arbeitsplatz fest hielt. Keine Zeit mehr für die Weiden. Das Ergebnis nach 15 Jahren: Dicke Stämme mit einem Wust an Trieben, die der neben stehenden Zwetsche auf der einen Seite und der Quitte auf der anderen Licht und Raum nahmen. Wir haben die Weiden rigoros gekappt. Ganz weg sollten sie nicht, weil die Gärtnerin immer noch den Traum hegt, mit den jungen Trieben einen Flechtzaun im vorderen Teil des Gartens zu bauen, um einen alten und kaputten Maschendrahtzaun zu ersetzen.

Die Weiden bekommen einen Radikalschnitt.

Die Weiden bekommen einen Radikalschnitt.

Gut, dass wir eine Kettensäge mitgebracht hatten. Ohne die wären wir gar nicht klar gekommen. Als wir die Weiden geköpft hatten und die Zweige alle in dem Teil des Gartens aufgehäuft hatten, der nach wie vor eine Wildnis bleiben soll, kam zwischen den Weiden ein kranker Kirschbaum ans Licht. Ich vermute, er hatte Bakterienbrand (die Äste waren abgestorben, aus der Rinde tropfte überall Gummifluss). Deshalb haben wir den Baum komplett entsorgt.

hölleDSCI2704hölleDSCI2702Nächster Schritt war das Beschneiden eines sehr alten Kirschbaums am Rande des Grundstückes, noch hinter den Weiden. Der Baum ist zwar auch schon morsch, soll aber solange es geht einer Kletterrose als Stütze dienen.

Von dort aus kämpften wir uns zur Westseite des Grundstücks vor, die auf der ganzen Länge von Garagen eines Betriebshofes begrenzt wird. Dort holten wir unter meterdickem Brombeer- und Hopfendickicht mehrere Obstbäume (Zwetsche, Apfel, Quitte) und Beerensträucher an die Sonne zurück. Ohne den Freischneider, den uns der liebe Nachbar von gegenüber geliehen hatte, hätten wir das nicht geschafft. Außerdem hatten sich zwischen den Obstbäumen und -büschen zahlreiche Bäume wild ausgesät: Eschen, Birken, Nussbäume, Ahorn und vieles mehr. Alles wurde umgesägt und in den Wildnisteil des Gartens gebracht. Der Holzhaufen wuchs innerhalb von drei Tagen zu einem Zehn-Familien-Luxushaus für Igel & Co. Danach sah es im hinteren Teil des Gartens ganz schön kahl aus:

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hölleDSCI2714Als wir auf diesem Stück das wilde Gestrüpp entfernten, stolperten wir oft über Löcher im Boden. Erst dachten wir, dass wohl Wildkanindchen den verwilderten Garten als Zuhause ausgewählt hatten, aber dann entdeckten wir zu unserer Überraschung einen großen Haufen Sand an der Garagenwand, neben dem ein tiefer Gang in die Erde führte. Ich tippte auf einen Dachs.

woltersDSCI2733Was tun? Erst mal den Nachbarn von gegenüber holen. Der staunte nicht schlecht: „Das mach mal nach: Mindestens eineinhalb Kubikmeter Sand ohne Schaufel, nur mit den Pfoten rausholen.“ Er kratzte sich am Kopf, holte sein Handy heraus und rief erst mal einen Jäger an, den er gut kennt. Der Jäger hatte Zeit und kam sofort. Ich hatte recht mit meiner Vermutung. Der Jäger konstatierte, das sei die Burg eines jungen Dachses. Da bräuchten wir nichts zu unternehmen, der würde wohl von allein ausziehen, wenn es jetzt unruhig und laut im Garten würde. Und so war es. Am nächsten Tag sahen wir nur noch eine Spur heraus aus der Burg, aber keine mehr hinein.

In den nächsten Tagen kämpften wir uns mit Motorsäge und Freischneider weiter an der Wand entlang und legten weitere Obstbäume, die Reste einer unsachgemäß angelegten Kräuterspirale und zwei Spaliere frei. Danach sah es dann so aus:

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Von dieser Ansicht habe ich auch eine Vorher-Ansicht (nicht exakt der gleiche Blickwinkel, aber man erkennt es):

hölleDSCI2424Schließlich legten wir auch noch die Ecke links von diesem grünen Dickicht frei. Dort kam unter meterhohen Brombeeren, Wildrosen und Brennnesseln ein Ahorn zutage, den wir aber auch fällten. Danach noch eine kahle Ecke, in die später ein Sitzplatz soll. Denn dort ist auch im Hochsommer den ganzen Tag Schatten.

hölleDSCI2751Jetzt mache ich mir Gedanken darüber, wie man den Garten stückweise wieder zu einem immer blühenden, naturnahen Paradies für die Bienenvölker im andren Teil des Gartens, für Vögel und andere Nützlinge machen kann. Einige Ideen habe ich schon aufgemalt, aber ganz zufrieden bin ich noch nicht. Denn sehr pflegeleicht soll das etwa 700 Quadratmeter große Areal auch werden. Ein Vorschlag aus den Reihen der Hausbewohner wurde jedenfalls gleich wieder verworfen: Nichts Neues pflanzen, nur Rasen säen. Das ist zu arbeitsintensiv, denn der Hauseigentümer hat weder Zeit noch Lust, zweimal pro Woche mit dem Rasenmäher herumzufahren.

Also eine blühende Strauchhecke hinten am Zaun, eine Wildblumenwiese unter den Obstbäumen, Staudenbeete und eine große Sitzecke, das wären so die ersten Eingebungen. Vielleicht auch wieder eine Kräuterspirale, diesmal fachgerecht gebaut.

Ciao und bis bald

Christina

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