Vom Kraut zum Tee

Neulich hatte ich Besuch von einer Freundin, die ich schon lange nicht mehr gesehen hatte. Sie wünschte sich Tee statt Kaffee, und so brühte ich meinen „Gartentee“ auf. Er schmeckte ihr sehr gut, und ich musste erklären, was alles drin ist und wie man das überhaupt macht, Kräutertee herstellen.

Dazu muss man zunächst einiges über das richtige Ernten und Trocknen von Kräutern wissen. Ich habe das Folgende aus meinen Fachbüchern zusammengesammelt und fasse es in meine Worte: Die beste Erntezeit ist von Pflanze zu Pflanze unterschiedlich. Auf jeden Fall sollte das Wetter trocken sein. Gesammelt werden die Kräuter, wenn der Morgentau abgetrocknet, aber die Sonnenhitze noch nicht zu stark ist, also am besten am späten Vormittag. Kräuter sollten am besten kurz vor der Blüte, wenn die Knospen noch geschlossen sind, geerntet werden. So steht es in jedem Lehrbuch, denn das Aroma der Kräuter ist vor der Blüte in den Blättern konzentriert. Aber meine Erfahrung ist, dass auch blühende Kräuter noch genug Aroma haben. Zumindest gilt das für diejenigen Arten, die in meinem Garten wachsen.

Abgeschnitten werden nur die oberen Enden der Triebe, wobei man gleichzeitig versucht, der Pflanze eine kompakte Gestalt zu geben. Alle toten oder kranken Blätter werden abgeschnitten oder mit der Hand abgestreift.

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Die unteren Enden der Ysop-Zweige müssen von den Blättern befreit werden

Meine Methode, die Kräuter zu trocknen, ist die älteste und sicher die malerischste: Zunächst entferne ich die Blätter von den unteren Stielenden, etwa bis zu zehn Zentimeter. Denn dort werden die Zweige/Triebe zusammengebunden. Wenn dort noch Blätter wären, würden diese vielleicht verschimmeln, weil sie zu eng zusammen liegen. Ich binde zwischen sechs und zwölf Zweige/Triebe zu einem nicht zu dicken Bündel zusammen und hänge diese kopfüber an einen Metallring mit Haken. Die Bündel dürfen nicht zu dick sein, damit die Luft hindurchstreichen kann. Fertig getrocknet sind die Kräuter, wenn sie beim Berühren knistern. Dabei müssen die grün bleiben. Wenn sie verbräunen, so wie das auf dem Foto unten der Fall ist, war die Hitze zu groß und der Geschmack ist beeinträchtigt.

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Die Bündel dürfen nicht zu dick sein

 

 

 

 

 

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Die Kräuterbündel werden mit dem Kopf nach unten aufgehängt. Links war die Hitze zu groß, das Kraut ist braun geworden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Platz zum Trocknen sollte deshalb erst mit einer kleinen Menge ausprobiert werden, bevor man die ganze Jahresernte riskiert. Mein Trockengestell werde ich an einen anderen Platz hängen. Bislang sind sie draußen unterm Terrassendach an einer Stelle, an der offensichtlich zuviel Sonne ist. Der beste Trockenplatz ist schattig und luftig. Sonne und Staub schaden ebenso wie Regen und zu hohe Luftfeuchtigkeit.

Wenn die Kräuter trocken sind, sollten sie so schnell wie möglich an ihren endgültigen Lagerplatz kommen. Bis dahin dürfen sie nicht mit Feuchtigkeit in Berührung kommen, weil sie diese aufnehmen und modrig werden. Die trockenen Blätter und Blüten werden mit den Fingern vom Stängel gestreift. Am besten bewahrt man sie in dunklen Gläsern auf oder stellt durchsichtige Gläser in einen dunklen Schrank.

Die besten Kräuter zum Trocknen sind: Rosmarin, Salbei, Lorbeer, Minze, Lavendel, Liebstöckel, Majoran, Minze, Blütenblätter der Ringelblume, Kamille-Blüten, Johanniskraut, Bohnenkraut, Beifuß, Wermut.

Andere friert man lieber ein, zum Beispiel Petersilie. Sie verliert beim Trocknen einfach zuviel an Geschmack.  Auch zum Einfrieren geeignet: Kerbel und Estragon. Sauerampfer sollte vor dem Einfrieren blanchiert werden. Von Fenchel und Dill lassen sich die Samen gut aufheben (bevor man diese in Gläser gibt, einfach auf Papier ausbreiten, abdecken und zehn bis 14 Tage liegen lassen).

Soviel zum Trocknen. In meinem „Gartentee“ sind diese Kräuter und Blätter enthalten:

Blütenblätter der Ringelblume (blutreinigend, leicht krampflösend, dienen bei meinem Tee aber vor allem einer schönen Optik, weil davon nicht viel drin ist),

Ysop (wirkt Schleim lösend und hilft gegen Husten)

Zitronenmelisse (wirkt beruhigend, krampflösend)

Wilder Dost oder Oregano (krampflösend, appetitanregend, hilft gegen Husten, Mund- und Rachenentzündungen sowie bei Verdauungsstörungen)

Pfefferminze (krampflösend, wärmend, wohltuend für den Magen-Darmbereich)

Salbei (Appetit anregend. antibakteriell bei Husten, Erkältung)

Thymian (Schleim lösend, antiseptisch, Schlaf fördernd)

Rosmarin (bei nervösen Kopfschmerzen und Erkältungen)

Johanniskraut (beruhigend und stimmungsaufhellend)

Bergbohnenkraut (entkrampfend im Magen-Darm-Bereich)

und Himbeerblätter (krampflösend, Darm anregend, entschlackend, Nerven beruhigend. Wirken auch gegen Übelkeit).

Für den Fall, dass jemand in der Familie nicht gut schlafen kann, ernte ich im September noch Hopfendolden, die dem Tee vor dem Aufbrühen zugegeben werden können. Hopfen wirkt beruhigend und Schlaf fördernd. Man kann die getrockneten Dolden auch in Baumwollstoff einnähen und hat ein kleines Kissen, das man in der Nähe des Kopfkissens aufbewahren kann. Schon der Duft allein wirkt.

Die Hopfendolden kommen in ein extra Glas, die übrigen Kräuter werden in einer großen Schüssel gemischt und gleichzeitig mit den Händen etwas zusammengedrückt und zerbröselt. Die Mischung hebe ich dann in einem großen Schraubglas auf.

Gutes Gelingen allen, die nun selbst Kräutertee herstellen wollen und

Ciao

Christina

 

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Ein Gedanke zu „Vom Kraut zum Tee

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